Kann man der Reiseliteratur über Mallorca glauben schenken, so gibt es von der Hafenpromenade von Port d' Andraitx aus die schönsten Sonnenuntergänge der Balearen zu bestaunen. Auch fügt sich der Yachthafen entlang der Bucht gut in das Gesamtbild ein, denn es gibt keine hohen Betonmauern die das Hafengelände umfassen.

Doch wo so viel Licht ist, ist auch Schatten. Wohl gibt es zwei Wellenbrecher welche eine stürmische See abhalten, doch wenn Wind und Wellen von Westen kommen sind diese ihrer Aufgabe nicht mehr ganz gewachsen und der Schwell der sich in der Bucht und im Hafenbecken bildet, ist schlicht und ergreifend eine Katastrophe.

Normalerweise kommen die starken Winde von Norden und dann gibt es ausser dem typischen Pfeifen durch Masten und Salinge nur ein wenig Gerüttel im Boot wenn eine starke Böe einfällt. Doch ganz anders war es Anfangs Februar... Schon lange bevor ein strammer Wind durch das Hafenbecken pfiff machten sich die ersten von Westen kommenden Wellen bemerkbar. Gegen Mitternacht war es dann nicht nur ein strammer Wind sonder ein richtiger Sturm mit Böen die einem das Schlafen im Boot verunmöglichten. Nicht nur unsere kleine Dschinni wurde durchgeschüttelt sondern auch die umliegenden Luxus-Yachten schwankten bedenklich hin und her. Der Blick auf den Windmesser zeigte uns über 40 Knoten an. Dies war in etwa die gleiche Windstärke die wir bei der Überfahrt von Sardinien nach Menorca hatten. Übrigens unsere "Kollegen" von der Alinghi starten beim America's Cup nur bei maximal 20 Knoten, und selbst dort schafft es keiner zu schlafen...

 


In den vergangenen Monaten hatten wir bereits einige Male starken Wind von Westen erlebt, doch normalerweise zogen diese Sturmfronten innerhalb weniger Stunden vorüber und man konnte die restlichen Nachtstunden noch einigermassen friedlich in der Koje geniessen. Doch dieser Sturm erwies sich als hartnäckiger. Nun, irgendwann wurde es hell ohne das wir viel Schlaf bekamen, und die Spanischlektionen am folgenden Morgen nahmen kein Ende da sich das Schlafdefizit im warmen Klassenzimmer doppelt bemerkbar machte. Unser Manko bleib auch unseren Mitschülern nicht verborgen und so kam es, dass uns von einer Kollegin angeboten wurde, eines ihrer leerstehenden Appartements zu benutzen! Da die Wettervorhersage für die kommende Nacht keine Besserung versprach, nahmen wir das Angebot nur zu gerne an. Von der luxuriösen Behausung in erster Linie am Meer hatten wir dafür einen tollen Blick über die Bucht von Santa Ponca, und wir konnten beobachten wie der Sturm wütete. Wir erinnerten uns auch an einen schönen Abend im Oktober als wir ziemlich genau an dieser Stelle vor Anker lagen, zum letzten Mal freiwillig bei angenehmen Temperaturen im Meer schwammen und einen friedlichen Sonnenuntergang genossen. Nun genossen wir die Nacht in einem bequemen Bett und während wir unser Schlafmanko nachholten, tobte sich der Sturm noch einmal so richtig kräftig aus. Andern Tags waren die heftigen Winde vorbei und die Sonne schien vom Himmel als wäre in den vergangenen 48 Stunden nichts gewesen.

Wir nutzten einmal mehr den schönen und auch recht warmen Tag um einen Ausflug an die Westküste zu unternehmen. Doch irgendwie war uns die Wettersituation auf Mallorca nicht ganz geheuer, denn an Schönwetterperioden von mehr als 3 Tagen konnten wir uns im Jahr 2003 nicht erinnern. Sobald die Sonne schien, stiegen die Temperaturen auf 15-17 Grad doch wenn die Sonne verschwand zeigte das Thermometer noch lausige 6 Grad an. Uns war nach mehr Wärme und so überlegten wir was dagegen zu tun wäre. Bei einem Spaziergang der uns an einem Reisebüro vorbei führte, fanden wir die Antwort: eine sogenannte "Superofferta" (L'Tur Preis durch 2) versprach viel Wärme im Süden von Teneriffa in einem 4* Hotel...

 


Da mussten wir zuschlagen, und so ging es nur wenige Tage später bereits los in Richtung Süden. Ein wenig unangenehm war die Abflugzeit um 00:30 Uhr, doch umso angenehmer empfanden wir die 18 Grad Celsius um 04:00 Uhr morgens als wir vor dem Hotel aus dem Bus stiegen! Das Wetter zeigte sich während der gesamten Zeit von seiner besten und warmen Seite und wir waren froh das sich ab und zu eine Wolke vor die Sonne schob. Als Highlight wären sicherlich die beiden Ausflüge mit dem Mietauto zu erwähnen. Der erste Ausflug führte uns entlang der Küste rund um den Teide bis nach Puerto de la Cruz. Die fast schon tropisch anmutende Landschaft, unterbrochen von grossen Kakteenfeldern die aus der schwarzen Lava stachen, hatte uns ausserordentlich gut gefallen, doch von diesem Ausflug existieren leider keine Fotos da aus noch unerklärlich Gründen unsere vielgeliebte Digitalkamera im Hotelzimmer liegen blieb. Ganz anders erlebten wir den zweiten Tag als wir steil Bergauf in Richtung Teide, der mit 3717m der höchste Berg (Vulkan) Spaniens ist, losfuhren. Auf etwa 1700müM durchwanderten wir auf der Suche nach der "berühmten" Pasaje de lunar während 4h und etwa 25 Grad die Kanarische Vegetation ohne auch nur einen Schluck Wasser oder einen Bissen Essen dabei zu haben, und am Schluss auch das vorher erwähnte Tal nicht zu finden (...wie richtige Touristen halt!).

Wieder zurück beim Auto ging es aber dennoch hinauf in den Krater des Teide und in das langersehnte Restaurant. Die Mondähnliche Landschaft hinterliess tiefe Eindrücke. Und war am Morgen noch keine Wolke in Sicht, hatte sich dies in den vergangenen Stunden dramatisch geändert. Eine geschlossene Wolkendecke drang vom Meer hinauf, blieb jedoch auf halbem Wege stecken, und trug dazu bei das die Aussicht dadurch nur noch spektakulärer wurde.

 


Ausser den Ausflügen genossen wir natürlich den schwarzen (Lava) Strand und die Sonne die uns dann auch prompt den ersten Sonnenbrand einbrachte. Weniger konnten wir dafür den Unmengen englischer Restaurants, Pub's und amerikanischer Schnellimbissbuden abgewinnen. Denn leider wurde auch der Süden von Teneriffa vom Massentourismus nicht verschont. Die Woche verging wie im Flug und wir hatten uns bereits an die angenehmen Temperaturen gewöhnt als es dann auch schon wieder zurück nach "Hause", sprich Mallorca ging. Nun galt es aber schleunigst das Boot auf Vordermann zu bringen, denn in den folgenden Tagen wollten wir uns auf den ersten kurzen Törn seit Wochen machen. Alles verlief wie am Schnürchen bis wir versuchten den Motor zu starten. Ausser ein kräftiges "Geknurre" war jedoch nichts zu vernehmen. Noch zwei - dreimal betätigten wir den Anlasser - ohne Erfolg. Also griffen wir zur Dokumentation des Motors und schlugen im Kapital Fehlersuche nach. Zum Thema "Nichtstarten des Motors" war eine ganze Liste an Möglichkeiten aufgeführt, wir mussten also nur noch rausfinden an was es wirklich lag. Bevor wir Lust verspürten irgendwelche Einspritzdüsen zu justieren oder Diesel anzusaugen, versuchten wir uns erst einmal am Einfachsten. Die Batterieladung wurde überprüft, und siehe da die Starterbatterie war völlig entladen, und obwohl wir nach wie vor Landstrom bezogen, liess sie sich auch nicht wieder aufladen. Um sicher zu gehen das es nur an der Batterie lag, schlossen wir den Motor an die Servicebatterie an. Zündschlüssel drehen, Startknopf drücken und ... das Baby schnurrte wieder. Wir liessen den Motor ein paar Minuten laufen und wollten dann sogleich unser nächstes neu eingebautes Ersatzteil testen. Wir hatten nämlich den "Cable de detenimiento de control del motor" (Motorstopzug) ausgewechselt da der Alte immer wieder leicht anrostete und dadurch das Stoppen des Motors nur noch durch höchste Kraftanwendung ermöglichte. Wir zogen also am "Cable de ......." und siehe da, der Motor konnte gestoppt werden, und wir hatten wieder eine Arbeit die wir von unserer ewig währenden Jobliste streichen durften.

Ein weiterer Höhepunkt unseres Mallorca Aufenthalt war der Besuch der Variété Show "Son Amar". Wohl werden Busladungen mit Touristen allabendlich zu der alten herrlich umgebauten Finca am Stadtrand von Palma gefahren, doch das Showprogramm hielt wirklich was es versprach. Nach einem musikuntermalten Abendessen folgten anschliessend Darbietungen welche jede auf ihre Art einzigartig und sehr professionell waren. Der Bogen spannte sich von einem kurzer Ausschnitt aus Cat's über Live vorgetragene spanische Hits zu modernem Ballet bis hin zu feurigem Flamenco und Akrobatik. Als Abschluss gab noch das bekannte amerikanische Quartett "The Drifters" ein paar ihrer grössten Hit's zum Besten.

 


In den letzten Tagen des Februar hatte sich die Wettersituation dann doch noch zumindest im Bezug auf die Temperaturen im positiven Sinn geändert, doch was blieb war das oft bewölkte, regnerische und vor allem inkonstante Wetter. Nicht nur wir hatten das Gefühl das es für diese Jahreszeit zu kalt und zu nass sei, sondern auch gemäss Statistik war dies der nasseste Februar seit Messungen auf Mallorca durchgeführt werden. Doch Besserung sei in Sicht, den das sogenannte Omega-Hoch das Deutschland und der Schweiz so schöne Tage beschert hatte, uns allerdings das miese Wetter gebracht hatte, soll sich langsam verziehen, und somit können auch wir hier auf der Insel auf den lange ersehnten Frühling hoffen!

Nun aus unserem angekündigt und erhofften ersten Törn im 2003 wurde halt doch noch nichts, doch lange kann es nun wirklich nicht mehr dauern. Zumindest sind wir und unsere Dschinni startklar und wir warten nur noch auf das entsprechendes Segelwetter. Gutes Wetter wird besonders auch darum gebraucht weil wir anfangs März wieder einmal Besuch aus der Schweiz empfangen dürfen. Vier wagemutige Familienangehörige wollen die ersten Versuche im Hochseesegeln absolvieren... Was in jener Woche alles passiert, und was sonst noch alles im März so läuft, könnt ihr wie immer im nächsten Monatsbericht nachlesen.