3 Monate oder ¼ Jahr sind vergangen seit wir in Basel unsere Reise angetreten haben. Seit 3 Monaten nun haben wir unsere grosszügige 3 ½ Zimmer Wohnung gegen eine kleine Segelyacht eingetauscht. Bis man sich an die neue Lebenssituation gewöhnt hat braucht es seine Zeit, doch können wir mit gutem Gewissen sagen, wir haben's geschafft und es tat gar nicht weh. Doch lest unseren Monatsbericht und ihr werdet sehen warum es uns leicht fällt, auf kleinstem Raum durch das Mittelmeer zu segeln. Karte

Die ersten Tage des Monats September verbrachten wir in Viareggio. Eigentlich war nur ein kurzer Stop von 2-3 Tagen vorgesehen, um wie bereits im vorigen Bericht erwähnt, Patrizias Bruder und Jörg zu treffen. Doch der Aufenthalt musste aus wettertechnischen Gründen auf fast eine Woche ausgedehnt werden. Nebst der Freude jemanden aus der Schweiz auf unserem Boot begrüssen zu dürfen, und endlich wieder mal Schweizerdeutsch zu sprechen, waren wir natürlich auch sehr glücklich, wieder ein Auto zum Einkaufen zur Verfügung zu haben. Das Einkaufen von grösseren Mengen Lebensmittel artete sonst jeweils in eine echte Plackerei aus. Die grossen Einkaufscenter befinden sich meist weit draussen und somit unerreichbar zu Fuss. Die kleineren Geschäfte sind so gut in den Quartierstrassen versteckt das man Einheimischer sein muss, um sie zu finden.

Augenfällig für uns war der Unterschied zwischen Frankreich und Italien in Bezug des einfachen Broteinkaufes. Während in Italien das Brot (oder Brotähnliches) in irgend einem Warengestell in der hintersten Ecke zu finden ist (falls man den Laden überhaupt findet...) prangen einem in Frankreich bereits bei der Hafeneinfahrt mindesten 2 Schilder mit der Aufschrift Boulangerie entgegen.


Nachdem nun unser Boot wieder mit Lebensmittel gefüllt war, und wir uns von unserem Besuch verabschiedet hatten, verabschiedete sich leider auch das schöne Wetter. Der Wetterbericht meldete für die nächsten zwei Tage "Locali roveschi" und "Isolati temporali", was nichts anderes bedeutet als Regenschauer und Gewitter, die allerdings sehr heftig auftraten. So musste halt ein kleines Alternativprogramm erstellt werden. Den ersten Tag verbrachten wir mit Lesen und dem Erkunden von Viareggio. Am zweiten Tag besserte sich das Wetter und so reisten wir mit dem Zug zum naheliegenden Pisa um zu sehen ob der Turm noch steht. Er tat es noch zur Freude der unzähligen Touristen, und so konnten auch wir wieder beruhigt nach Viareggio zurückkehren. Bald besserte sich das Wetter und einer Weiterreise in Richtung Korsika stand nichts mehr im Wege. Wohl war der Himmel am Reisemorgen noch bewölkt und die Chance das wir einmal von einem Regen geduscht würden standen etwa 50/50. Wir hatten jedoch Glück und um dieses nicht unnötig zu strapazieren, beschlossen wir auf der Insel Capraia zu übernachten und die restlichen 17 Seemeilen (eine Seemeile sind 1.852 km) am folgenden Tag abzusegeln.

Bevor Capraia zum Naturschutzgebiet erklärt wurde und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, war es eine Sträflingsinsel. Die Insel erschien uns ziemlich düster und das wechselhafte Wetter tat das seine noch dazu. Doch der kleine Hafen war bis anhin mit 6€ der mit Abstand günstigste Hafen auf unserer Reise. Für diesen Preis gab es allerdings weder Strom noch Trinkwasser, dafür gratis Musik und Italienische Lebensfreude aus dem nahegelegenen Spielsalon.

Die Überfahrt nach Maccinagio am Cap Corse verlief ruhig und die Sonne hatte sich nun endgültig wieder durchgesetzt. Was uns immer noch ein wenig fehlte war der Wind aus der passenden Richtung. Sicherlich kennt jeder das Phänomen das der Wind beim Velofahren immer von Vorne kommt; und so ist es auch beim Segeln... Nur gibt es bei unserem Segelboot einen Motor der das Ganze ein wenig angenehmer gestaltet.

Nach der Anmeldeprozedur in der Capitanerie Maccinagio prangte uns sehr zur Freude ein grosses Schild mit der Aufschrift Boulangerie entgegen. Super, somit gab's ab sofort zum Frühstück wieder Croissants und frisches Baguette. Als wir den Gästesteg näher inspizierten stellten wir fest, das noch zwei andere Boote unter Schweizerflagge angelegt hatten. Eine solche Ansammlung von Schweizern war selbst von den Deutschen nur schwer zu schlagen, aber eben nur schwer.


Weiter ging's um das Cap Corse. Im Revierführer wird von starken Winden und gefährlichem Seegang gewarnt und man solle genügend Abstand zum Cap einhalten um das Ganze ein wenig erträglicher zu gestalten. Die Realität an diesem Tag sah ganz anders aus. Wind wahr Fehlanzeige und auch von Seegang keine Spur. Dafür wurden wir von einer Delphinschule eskortiert. Sie schwammen links und rechts von unserem Boot und mindestens einmal kamen sie so nahe das wir befürchteten sie zu überfahren. Ein wirklich einmaliges Erlebnis! Nach dieser angenehmen Überraschung genossen wir die Landschaft und die herrlich würzigen Düfte die in der Luft lagen, in vollen Zügen. Die unzähligen alten Genuesischen Wachtürme und die zunächst noch sanft in das Meer abfallende Küste gefiel uns ausgesprochen gut. Immer wieder wurden hübsche Buchten ausgemacht, welche zum Verweilen einluden, und letztendlich wurde auch eine für die Mittagsrast ausgewählt. Doch selbst bei so einem gemütlichen Ankerhalt fällt immer noch ein wenig Arbeit an. Zum Einen wurde versucht das Boot auf Höhe der Wasserlinie vom Schmutz zu reinigen (unter Zuhilfenahme unseres aufblasbaren Krokodils) und zum Anderen wurde mit Schnorchel und Taucherbrille das Unterschiff auf allfällige Schäden untersucht. Wie vermutet wurde nichts gefunden und so konnten wir zum gemütlichen Teil übergehen; ein erfrischendes Bad und ein leckerer Imbiss um uns für die restliche Strecke bis nach Calvi zu stärken. Diese kurze Reise konnten wir dann noch bei bestem Segelwetter geniessen.

Gemäss Reiseführer gilt Calvi als die Nummer Eins unter Korsikas Touristenzentren. Da jedoch die Hochsaison bereits vorüber war, konnten wir gemütlich durch die Gassen ziehen und am angenehm leeren Strand schwimmen gehen. Andern Tags wurden Fahrräder gemietet um die weitere Umgebung zu erforschen. Unser Ziel war der Wald von Bonifatu. Während der meisten Zeit stieg die Strecke leicht an (womit wir so nicht gerechnet hatten) und am Ende der ca. 25 km wurde es dann richtig steil. Wir motivierten uns damit, das die Rückfahrt meistens bergab gehen sollte, und wir die Strecke im Nu hinter uns bringen würden. Am Ziel angekommen, stärkten wir uns und genossen den Weitblick ins Tal. Am Himmel hatten sich in der Zwischenzeit immer mehr dicke Wolken angesammelt, und so beschlossen wir, die Talfahrt zügig in Angriff zu nehmen. Die Fahrt genossen wir anfänglich sehr, und bald kamen wir in flacheres Gelände wo auch wieder Muskelkraft gefragt war. Kaum hatten wir angefangen zu Treten, was stellten wir wohl fest? Jawohl, der Wind kam von Vorne und vorbei war es mit der lockeren Rückfahrt. Wieder "zu Hause" litten wir beide nach der ungewohnten Anstrengung, und zur Erholung mussten wir nochmals einen Tag am Strand einschalten bevor wir in Richtung Ajaccio weiterzogen.

Auf der Fahrt Richtung Ajaccio lasen wir im Reiseführer, das zum Entdecken des wahren Korsikas das Landesinnere bereist werden müsse. Dies taten wir mit zwei recht unterschiedlichen Ausflügen von Ajaccio aus.

 


Um 6:00 Uhr krabbelten wir aus den Federn und fuhren mit der Bahn 2 ½ Stunden durch das wilde Landesinnere über schmale Brücken und steile Berge hinauf bis nach Corte, der einstigen Hauptstadt des unabhängigen Korsikas. Nach einer Besichtigung der Stadt wanderten wir auf einem Maultierpfad durch die Gorge du Tavignano wo am Ende hübsche Badebecken zum Verweilen einluden. Das Wasser war, wie es sich für einen Gebirgsbach gehört, ziemlich kalt, und so kam es das die meisten nur ihre Füsse badeten. Dieser ganztägige Ausflug war eine anstrengende aber willkommene Abwechslung zum Segelalltag.

Für den zweiten Ausflug stand Sartène, die korsischste Stadt von Korsika auf dem Programm. Um dorthin zu gelangen, mieteten wir wieder einmal ein Auto (zu einem horrenden Preis) und fuhren in südliche Richtung los. Auf halbem Weg besuchten wir auch noch die prähistorische Fundstätte von Filitosa die für ihre Menhire bekannt ist. 13km im Landesinneren erreichten wir später Sartène. Das Städtchen zieht sich den Berg hoch und wirkt auf den ersten Blick wegen der kalten granitenen Häuser recht abweisend. Sobald wir jedoch über Treppen und durch die Gassen zum Place Porta hinaufgestiegen waren, entdeckten wir den etwas eigenen Charme des Städtchens. Der Rückweg führte uns quer durchs Hinterland. Die schmalen Strassen stiegen unentwegt an und selbst an den abgelegensten Ecken kam wieder eine kleines Dorf zum Vorschein. Zuerst fuhren wir durch dichte Wälder und je höher wir kamen, desto überdeckter war die Landschaft von der wild wuchernden Maccia. Das Verkehrsaufkommen war sehr gering und es galt vielmehr das Augenmerk auf die freilaufenden Kühe und Schweine zu richten. Zurück auf der Dschinni war es Zeit die nächsten Segeletappen zu planen. Bevor wir nach Sardinien überwechselten, wollten wir nämlich unbedingt Bonifacio, die südlichste Stadt Korsikas, besuchen. Gesagt getan, schon die Einfahrt in den Hafen war atemberaubend und wurde durch einen zusätzlichen "Kick" noch aufregender: ein Fender der sich mitten in der schmalen Einfahrt löste, musste mit einem "Fender über Bord Manöver" gerettet werden. Zum Glück lief die grosse Ueberseefähre kurz vorher aus...

Hoch oben auf einem Kreidefelsen thront verwegen das Städtchen während man mit dem Boot durch eine Calanque in den Naturhafen einfährt. Im Hafen sind diverse Restaurants und Läden angesiedelt, doch um in die Altstadt zu gelangen, muss eine äusserst steile und lange Treppe überwunden werden. Oben angekommen hat man dann als Belohnung einen herrlichen Ausblick auf die berühmte Meerenge von Bonifacio und dem gegenüber liegenden Sardinien.

 


Doch so nah Sardinien auch war, so unerreichbar war es im Moment für uns. Über Nacht zogen nicht nur Wolken sondern wieder einmal ein ausgewachsener Mistral auf. Wie sich ein Mistral entwickeln und wie lange dieser andauern kann, hatten wir bereits einmal erlebt. Da wir in Bonifacio sowohl einen guten Hafen wie auch eine gute Infrastruktur wie Einkaufsläden, Restaurants usw hatten, beschlossen wir den Mistral dort abzuwettern. Anfänglich war der Hafen nur zur Hälfte besetzt, doch bereits am 2. Mistraltag hatten einlaufende Yachten Probleme noch ein Plätzchen zu finden. Kein Wunder das sich alle in einen sicheren Hafen flüchteten; der Sturm pfiff selbst im Hafen mit bis zu Windstärke 8. Nebst der sehenswerten Altstadt, den Klippen und der näheren Umgebung von Bonifacio besuchten wir auch das nahe gelegene Porto Vecchio.

Endlich entsprach das Wetter unseren Vorstellungen, und wir machten den Sprung hinüber nach Sardinien. Kaum hatten wir einen Blick zurück auf Bonifacio geworfen, wurden wir auch schon von der ersten Bö erfasst und Dschinni staunte wohl selbst nicht schlecht ob der Geschwindigkeit die sie laufen kann. Da wir das Ganze nicht ausreizen und auch noch einwenig geniessen wollten, entschlossen wir uns die Segel zu reffen dh. die Segelfläche zu verkleinern. Mit einer immer noch beachtlichen Geschwindigkeit erreichten wir bald die ersten Inseln des Maddalena Archipels. Im Schutz dieser Flachen und kargen Inseln wurde das Meer bedeutend ruhiger und wir konnten bald im Hafen von La Maddalena einlaufen. Wir entschlossen uns 2 Tage auf der Insel zu bleiben, und das Segelrevier etwas zu erkunden. Am nächsten Tag blies dann der Wind dann so heftig, das wir uns auf ein bisschen Starkwindtraining einigten, und so segelten wir mit stark gerefften Segeln kreuz und quer durch die Inseln.

Im September sind wir vom italienischen Festland via Korsika nach Sardinien gelangt. Waren anfangs Monat noch die Häfen voll und die Ferienorte gut belebt, so wurde es von Woche zu Woche ruhiger und im Hafen können die Segelboote die auf der Durchreise sind, an einer Hand abgezählt werden. Die Temperaturen erreichen tagsüber kaum noch mehr als 25 Grad und sobald die Sonne untergegangen ist sind wir froh, dass wir uns in unser gemütliches Boot zurückziehen können. Kurzum; es ist auch im Süden herbstlich geworden...

Um den Herbst noch ein wenig zu verlängern werden wir nun im Oktober auf die Balearen, und weiter nach Südspanien segeln. Unterwegs dorthin gibt es sicherlich wieder das Eine oder Andere welches wir in unserem Oktober-Bericht erzählen werden.