1. April, und dies ist kein Scherz, war gleichbedeutend mit Abschied nehmen von Port de Andraitx. Morgens um 7:30 Uhr verliessen wir den Hafen und steuerten Kurs SW in Richtung Ibiza. Vor uns soll angeblich die Partyinsel und die Heimat der Hippies und sonstigen Aussteiger sein. Ob es so sein wird werden wir frühestens in ein paar Stunden wissen sobald uns die angekündigten nördlichen Winde dorthin gebracht haben.

Doch zunächst "tat" der Wind nicht so wie erwartetet daher kam unser "viel geliebtes" Duo Motor und Selbststeueranlage zum Zuge. Doch gegen Mittag änderte sich die Situation und der Wind setzte sich durch. Somit wurden die Segel gehisst und dem Motor eine mehrstündige Pause gewährt. Wir glitten bei Sonnenschein und wolkenlosem Himmel mit 4-5 Knoten unserem Ziel entgegen. Da mittlerweile weder von Mallorca noch von Ibiza etwas zu sehen war, erfreuten wir uns an den Fähren die in Richtung Festland unterwegs waren oder an den Motorboten welche mit der mehrfachen der unserigen Geschwindigkeit durch den Kanal von Mallorca "bretterten". Nach 11 Stunden hatten auch wir es geschafft und wir machten im Hafen von Santa Eulalia fest. Die erfolgreiche Überfahrt musste natürlich gefeiert werden und da bot sich ein Glas Mallorquinischer Weisswein den wir auf eigenem Kiel überführt hatten geradezu wunderbar an.


Am folgenden Tag war eigentlich nur ein kurzer Schlag bis nach Ibiza Stadt geplant, doch erweisen sich bekanntlich die kleinen Aufgaben manchmal als hartnäckiger als die Grossen. Die Meteorologen prognostizierten für die Küstengewässer von Ibiza leichte Winde 3-4 aus Nord oder Nordost. Nun das wäre eigentlich für unser Vorhaben perfekt gewesen und irgendwie kam auch schon die Idee mit dem Ausprobieren des Spinnakers auf. Kaum waren wir aus dem Hafen mussten wir allerdings feststellen das der Wind nicht von Norden sondern von Süden kam. Nun so wurde natürlich nichts mit dem Spinnaker doch ein rassiger Amwindkurs bis Ibiza würde es ja auch tun für diesen Tag.

Kaum waren die Segel gesetzt mussten wir feststellen das nicht nur die Windrichtung falsch voraus gesagt wurde sondern auch die Stärke. Mittlerweilen waren wir bei Windstärke 6 angelangt und es schien kein Ende zu nehmen. Zuerst wurde wieder einmal kräftig über die Gilde der Meteorologen gewettert und wir fragten uns einmal mehr ernsthaft wieso wir uns eigentlich die Mühe machen jeweils Funk, Radio, Navtex und den Anschlag beim Hafenbüro zu konsultieren wenn das ganze am Ende doch nicht stimmt. Nun das half uns nur wenig und wir begannen mit dem Reffen der Segel um die Krängung des Bootes ein wenig zu reduzieren.

Das Grosssegel war rasch gerefft und um die Genua zu Reffen musste man eigentlich nur an einer Leine ziehen, was im Normalfall auch kein Problem darstellt. Doch irgendwie liess sie sich nicht reffen. Wieso? Keine Ahnung. Doch irgendwie musste der Lappen einfach weg denn sollte der Wind noch mehr auffrischen, würde es definitiv ungemütlich. Da wir nicht eruieren konnten wieso es einfach nicht möglich war die Genua einzurollen, und die Wellen mittlerweile längst die 1.5m Grenze überschritten hatten (der Mann der auf dem Vordeck versuchte das Ganze zu Klarieren hatte schon bedenklich von seiner gesunden Gesichtsfarbe eingebüsst) wurde das ganze Segel geborgen an den Seezaun gelascht und schnurstracks erneut der Hafen von Santa Eulalia angelaufen. Im Hafen war die Ursache rasch gefunden. Das Spinnakerfall war nicht genügend durchgesetzt und wurde durch den starken Wind an die Rollgenua gedrückt. Beim Versuch das Segel einzurollen wickelte sich das Fall mit ein und blockierte das weitere Einrollen. Tja, aus Schaden wird man klug und wir merkten uns dies für das nächste Mal.

 


Da am folgenden Tag immer noch äusserst unbeständiges Wetter herrschte, beschlossen wir Ibiza Stadt mit dem öffentlichen Bus zu besuchen. Wie kurz die Distanz zwischen Ibiza und Mallorca auch ist, der Unterschied kam uns frappant vor. Zum Einem war auf Mallorca schon richtig was los während hier auf Ibiza erst die Bauarbeiter versuchten die Schäden der vergangenen Saison und des Winters zu beseitigten. Die meisten Hotels und Restaurants hatten noch Winterferien und die Einheimische Bevölkerung war noch in der Überzahl. In der Altstadt von Ibiza (Evissa wie sie korrekt heisst) waren noch so ziemlich alle Läden geschlossen und zusammen mit dem Wind waren wir fast die Einzigen die bis zur Kathedrale hoch stiegen. Auch der Zustand der Häuser und Strassen liess sich mit Mallorca nicht vergleichen. Ist im Zentrum von Palma alles gepflegt, so macht hier doch alles ein wenig einen vernachlässigten Eindruck. Sicherlich hängt dies mit der Jahreszeit zusammen, denn im Sommer sollen die Strassen angeblich voll von Touristen sein, welche die unzähligen kleinen Läden und Restaurants frequentieren. Doch davon war noch nichts zu spüren.

Da wir nun Ibiza-Stadt bereits besucht hatten, steuerten wir die südliche Nachbarinsel Formentera als unser nächstes Ziel an. Getrennt wird diese kleine und flache Insel von Ibiza nur durch eine rund 1km breite Durchfahrt. Da das Wetter sich von der besten Seite zeigte und der Wind auch immer weniger wurde, entschlossen wir uns in einer geschützten Bucht die Nacht auf 5m Wassertiefe vor Anker zu verbringen. Noch einmal wurden die Wetterberichte abgehört und alles deutete auf eine angenehme Nacht hin bei der höchstens mit einem schwachen Wind aus Osten zu rechnen sein sollte. Im Gesamten tummelten sich 6 Segelboote friedlich wie wir vor Anker.

Gegen 22:00 Uhr kam ein leichter Wind von Westen auf und brachte unangenehme Wellen in die Bucht. So ärgerlich das auch war, es war leider nur der Anfang. Eine Stunde später wehte der Wind schon merklicher stärker und was beunruhigend war, er war immer noch am zunehmen. Um 1 Uhr Nachts war es dann endgültig mit dem Schlaf vorbei. Der Wind blies mit Windstärke 5-6 durch die Bucht und Dschinni hing kräftig in der Ankerkette. Uns war es nicht mehr Geheuer und so beschlossen wir halt zum ersten Mal Ankerwache zu schieben. Dies hatte den Vorteil das der Eine 2h ausruhen und sich sicher fühlen konnte, während der Andere nichts Anderes zu tun hatte als im windigen Cockpit zu sitzen und zu beobachten ob der Anker hält und notfalls sofort den Motor zu starten. Kaum hatte die erste Ankerwache begonnen kam auch schon Bewegung in die Bucht. Der Anker unseres Nachbars hatte nicht genügend Halt und riss aus. Glücklicherweise schob wohl auch er Ankerwache und konnte noch rechtzeitig reagieren. Allerdings dauerte es bis 6.00 Uhr (~4 Stunden) bis er wieder befriedigenden Ankerhalt gefunden hatte. Natürlich überlegten wir ob wir die Bucht nicht sofort verlassen und uns in den relativ nahegelegenen Hafen von Formentera verholen sollten. Doch die Ausfahrt aus der Bucht wies unzählige Untiefen auf und das Risiko das Boot dabei zu beschädigen war grösser als dasjenige vom Anker gerissen zu werden. Bei unserem holländischen Nachbar schien auch etwas nicht mehr zu stimmen, denn um 4:00 Uhr wurde der Motor hastig gestartet und trotz der tückischen Ausfahrt die Flucht aus der Bucht ergriffen. Wir blieben wo wir waren ohne ein Auge zu schliessen und fluchten erneut über die Gilde der Meteorologen welche für die Nacht nur Angenehmes angesagt hatten, wir jedoch Westwind der Stärke 6 zugeblasen bekamen. Kaum war die Sonne über dem Horizont aufgegangen da verliessen die verbleibenden Yachten eine um die Andere hastig die Bucht um entweder den Hafen von Ibiza Stadt oder Formentera anzusteuern.

 


Wir wählten denjenigen von Formentera und kamen nach heftigem Ritt auch glücklich eine Stunde später dort an. Nach einem kleinen Frühstück legten wir uns in die Kojen und versuchten den fehlenden Schlaf nachzuholen. Der Wind wehte den ganzen Tag unverdrossen stark über die Insel hinweg doch mittlerweile hatten auch unsere Wetterfrösche das Problem erkannt und eine Starkwind Warnung ausgegeben. Wir nahmen diese dankend entgegen und nahmen auch zur Kenntnis das am nächsten Tag der Wind sich abschwächen und aus östlicher Richtung wehen sollte. Dies wäre dann wieder einmal perfekt, den als nächstes Ziel stand San Antonio Abad an der Westküste Ibiza's auf dem Plan. Noch immer ein wenig aus dem Tritt wegen der letzten Nacht, beabsichtigten wir etwas auszuschlafen um gestärkt die rund 35sm lange Etappe in Angriff zu nehmen. Leider wurde aus diesem Vorhaben nichts, den Punkt 9:00 Uhr wurde der Kompressorhammer gestartet mit welchem der Hafenmole zuleibe gerückt wurde. Tja auch Formentera rüstet sich für die kommende Saison. So hielt uns nichts mehr zurück, um so mehr sich die Wettervorhersage zu bestätigen schien. In der Tat wurde es eine wunderschöne Segelei erst der Süd- und anschliessend der Westküste entlang. In der fast 5sm tiefen Bucht von San Antonio Abad blies uns letztendlich der Wind entgegen und wir kreuzten gegenan was das Zeugs hielt. Als wir uns letztlich von den einlaufenden Fischerbooten umzingelt fühlten, beschlossen wir den Motor für die letzten Meter bis in den Hafen zu bemühen.

Die Skyline von San Antonio besteht mehrheitlich aus weissen mehrstöckigen Hochhäusern. Verglichen mit Ibiza Stadt und Santa Eulalia herrschte hier aber schon richtig viel Betrieb. Vor allem Engländer prägten das Leben in der Stadt was anhand der Fastfoodketten und China Restaurants einfach zu erkennen war.

Den folgenden Ruhetag nutzten wir um die Reise zum Spanischen Festland, oder wie der Spanier sagt "La Peninsula", vorzubereiten.

 


Die Wetter- und Windvorhersage wahr rasch eingeholt und wieder schienen wir den fast optimalen Wind für die rund 50sm lange Strecke erwarten zu können. Als wir um 7:30 Uhr ausliefen war es noch empfindlich kalt doch glücklicherweise hatten wir Mützen und Handschuhe dabei. Vom angekündigten Wind war noch nichts zu spüren und so konnten wir in Ruhe noch ein letztes Mal auf die Balearen zurück blicken. Nach rund 2 Stunden empfingen wir den neusten Wetterbericht auf dem Funkgerät und die angekündigten Windstärke 4-5 wurde auf 3-4 aus SW reduziert. Anhand dieser Meldung machten wir uns keine grossen Hoffnungen mehr innerhalb einer vernünftigen Zeit unter Segeln das Festland zu erreichen. Doch welch Wunder....Um die Mittagszeit frischte der Wind etwas auf und wir freuten uns doch noch ein Stück segeln zu können. Anfänglich glitten wir nur mit rund 3 Knoten durchs Wasser doch die Ruhe war umso schöner. Der Wind frischte immer mehr auf und mittlerweile waren wir schon viel schneller als wir zuvor unter Motor liefen.

Eifrig wurde natürlich auch unser Logbuch geführt und was uns da auffiel gefiel uns gar nicht. Seit wir Ibiza verlassen hatten fiel das Barometer stündlich um 1 hPa und das nun schon seit über 6 Stunden. Gemäss Faustregel müsste also bald mit Windstärke 6+ zu rechnen sein. Nun unser Meteorologe am Funk meldete sich wieder einmal und meldete immer noch stur seine Windstärke 3-4 mit leicht bewegter See. Wir waren allerdings bereits bei Stärke 5 angelangt und das Meer war schon eher fuerte marejada (stark bewegt).

Mit gerefften Segeln brausten wir dem Festland entgegen und konnten uns bereits am Monte Mongo, dem Hausberg von Denia, bestens orientieren. Doch plötzlich änderte sich alles schlagartig. Wir vernahmen nur einen kurzen Knall am Bug und als Nächstes sahen wir das sich unsere Rollgenua-Anlage und somit das Vorstag losgerissen hatte. Wohl war sie noch am Maststop befestigt doch schwebte sie nun 2-3 Meter neben dem Boot. Uns stand der Schreck in das Gesicht geschrieben den mit dem Bruch der Rollgenua-Anlage war unser Mast nicht mehr genügend nach vorne gespannt und als Nächstes mussten wir befürchten das auch gleich der ganze Mast über Bord ginge. Nun soweit wollten wir es natürlich nicht kommen lassen. Wir erinnerten uns an eine der Theoriefragen bei der Hochseeprüfung; "Was machen Sie wenn das Vorstag bricht?" Die richtige Antwort lautet: "auf Vorwindkurs Abfallen". Das taten wir natürlich ganz flux und gleichzeitig starteten wir auch noch den Motor. Nun begann der Kampf mit der Rollgenua-Anlage auf dem Vordeck. Irgendwie schafften wir es, sie einzufangen und irgendwie an das Boot zu binden. Das Genua liess sich anfänglich nicht bergen und so kam immer wieder Wind in das Segel und blähte es auf. Unser Blick ging ständig zum Mast hoch um zu sehen ob er noch hält. Mittels dem Spinnakerfall und dem Topnant versuchten wir den Mast einwenig nach vorne zu stabilisieren. Wie viel dies wirklich von Nutzen war, wissen wir nicht, aber rein psychologisch war es für uns jedenfalls sehr wichtig... Abschliessend unternahmen wir noch einmal einen Versuch das Genua irgendwie runter zu bekommen und siehe da es konnte plötzlich geborgen werden. Nach dem die Genua an den Seezaum gelascht war (hoffentlich wird dies nicht zu unserem neuen Standard!) konnten wir endlich wieder Kurs auf Denia nehmen.


Das ganze Unterfangen kostete uns rund 1h, und jetzt blieb uns nichts mehr Anderes übrig als Abzuwarten und zu Hoffen das wir trotz üblem Gegenwind und grober See innerhalb 2h den Hafen von Denia erreichen würden. Doch wir kamen an und machten völlig geschafft an unserem zugewiesenen Platz fest. Es fiel schwer zu glauben was wir dann feststellten; im Hafen herrschte fast völlige Windstille und die Leute liefen in kurzen Hosen und T-Shirts rum. Wir hingegen trugen noch unser Oelzeug und die Rettungswesten, also das ganze Zeug das wir vor wenigen Minuten auch noch gebraucht hatten.

Uns war alles egal denn wir wollten nur noch unter eine Süsswasserdusche (salzige gab es während unserem Super Manöver mehr als genug) und anschliessend in einem Restaurant die Ankunft feiern.

Andern Tags gingen wir daran den Schaden zu suchen und zu reparieren. Die Halterung der Rollgenua war verbogen und es fehlte ein Haltebolzen mit dem zugehörigen Sicherungsstift. Der Rest schien alles noch in Ordnung zu sein. Das verbogene Teil war rasch demontiert und so ging es wieder einmal zum nächsten Ausrüster um es zu ersetzen. Der Ladenbesitzer schaute das Teil an und meinte das kein Neues gebraucht würde, sondern das er dies in der Werkstatt wieder zurechtbiegen könne. Auch seine Erklärung wie es zu dem Schaden kommen konnte war so einfach und klar als würde jeden Tag jemanden mit so einem Schaden bei ihm vorbeischauen. Eine halbe Stunde später kehrten wir mit zurechtgebogener Halterung, neuem Haltebolzen und Sicherungsstift zu unserem Boot zurück. Alles passte einwandfrei und bald war unser Rigg wieder gespannt wie eh und je.

Ein Ausflug mit dem Zug brachte uns nach Calpe. Zum Einen konnten wir so den hochaufragenden Puig Ifach von der Landseite bestaunen, und zum Andern konnten wir die früher schon mal verpasste Gelegenheit wahrnehmen, und eine Freundin die 2 Wochen Ferien in Calpe verbrachte, treffen. Sie überreichte uns auch den Mietvertrag für unsere neue Wohnung in der Schweiz was für uns ein erster Schritt zurück Richtung "Landmenschen" bedeutete. Doch 2 ½ Monate liegen noch vor uns und davon wollen wir auch keinen Tag verschenken.

 


Vor uns lag die Costa del Azahar die als wenig einladend, sehr windarm, und die für den Yachttourismus am wenigsten ausgebaute Küstenabschnitte der gesamten Spanischen Mittelmeerküste aufzuweisen hatte. Dennoch waren wir zumindest gespannt auf die Stadt Valencia. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Küste bestand aus langen Sandstränden die durch Hochhaussiedlungen und Industrieanlagen unterbrochen wurde. Gnädigerweise wurde uns dieser Anblick meist wegen starkem Dunst erspart. Zwischen Denia und Valencia befanden sich gerade mal zwei Häfen, doch der Eine war wegen einer Regatta besetzt und der Andere konnte wegen der aufkommenden schlechten Witterung nicht angelaufen werden. So wurde aus einem geplanten lockeren Segelnachmittag halt gezwungenermassen noch ein Nachttörn bis direkt nach Valencia. Unglücklicherweise frischte der Gegenwind kräftig auf und wir mussten jederzeit mit einer Regenschauer rechnen. Um 22:00 Uhr erreichten wir Valencia und wir mussten nur noch die Einfahrt in den Yachthafen finden. Kein ganz einfaches Unterfangen, denn schon weit vor der Stadt lagen diverse Frachtschiffe auf Reede, und die Befeuerung des grossen Industriehafens war für uns alles andere als klar zu erkennen. Doch auf einmal konnten wir in der Dunkelheit die grosse Hafenmole erkennen und uns dieser entland in den angehängten Yachthafen schleichen. Ziemlich geschafft machten wir irgendwo fest und versuchten erst einmal so gut wie möglich zu erkennen wo wir gelandet waren. Der Hafen sah, soweit wir es im Finsteren erkennen konnten, ganz ansprechend aus, doch was uns zu denken gab war das riesige Containerdepot in unmittelbarer Nähe. Wie es sich für so eine Anlage gehört, wurden die Frachtschiffe natürlich im 24h Betrieb Be- und Entladen und somit herrschte immer ein recht hoher Geräuschpegel. Uns störte dies nicht gross, denn wir wahren zu müde und verkrochen uns alsbald in unsere Koje.

Wie abweisend der naheliegende Industriehafen auch sein mochte, die Stadt Valencia war allerdings einen Besuch wert. Die Stadt selbst befand sich einige Kilometer im Landesinneren und weil kein Bus verkehrte, mussten wir uns jeweils mit dem Taxi chauffieren lassen. Uns erwartete ein Stadtzentrum mit alten und geschichtsträchtigen Gebäuden aber auch voll pulsierenden Lebens, eben wie es sich für die drittgrösste Stadt Spaniens gehört. All das hat uns sehr gut gefallen, doch es galt auch das neue Valencia, das nur einen Steinwurf vom Zentrum entfernt lag, zu entdecken. In der futuristisch gestalteten "La Ciudad de las Artes Y las Ciences" befinden sich Ausstellungsgebäude der Kunst, Wissenschaft und der Ozeanografie. Der grösste Teil dieser Gebäude wurde vom Architekten Santiago Calatrava gebaut und hat somit Valencia eine neues prägendes Bild gegeben. Wir wollten mehr über die Ozeane erfahren und nutzten die Gelegenheit für einen Besuch des grossen Aquariums. In der Tat handelte es sich dabei um mehrere Gebäude die jeweils ein spezifisches Thema veranschaulichten. Die Anlage war riesig und so ging der Tag im Flug vorbei. Für uns war es ganz angenehm die Pinguine, Eisbären und Haifische im Aquarium zu besuchen, denn um diese Tiere in ihrer Heimat zu beobachten, reichte unsere Zeit leider bei Weitem nicht aus.

 


Wir setzten unsere Reise fort ohne vom Wind grosse Unterstützung zu bekommen. Bald erreichten wir die Mündung des Ebro und somit hatten wir die windarme Küste verlassen und gerieten ab sofort in den Einfluss des Mistral. Da aber der Wind weiterhin mehrheitlich aus Süden blies, hatten wir vorerst nichts zu befürchten. Vielmehr machte sich für uns bemerkbar, das wir uns nun in der Provinz Katalonien befanden. Das Meiste war jetzt nicht mehr in Spanisch sondern in Katalan angeschrieben und auch die lokalen Radiosender wurden in dieser Sprache moderiert. Die Leute sprechen natürlich nebst Katalan auch das offizielle Spanisch. Da Katalan ein Gemisch aus Spanisch, Französisch und Italienisch ist, konnten wir aber mit ein wenig Übung und Fantasie auch das Geschriebene bald entschlüsseln.

Auf der Reise nach Barcelona legten wir in Tarragona einen kurzen Halt ein. Die alte Römerstadt wurde geschickt an den Berg gebaut und somit gab es immer wieder eine wunderbare Aussicht über die Stadt , den Hafen und das Meer zu bewundern.

Das nächste Highlight unserer Reise lag so nah das es für uns kein Halten mehr gab. Nun wollten wir so rasch wie möglich Barcelona erreichen. Wie vor der Einfahrt Valencias lagen auch hier wieder mehrere grosse Frachtschiffe auf Reede, doch störten diese uns diesmal nicht im Geringsten. Wir beschlossen wenn immer möglich im alten Stadthafen (Port Vell) festzumachen da man dort quasi mitten in der Altstadt liegen kann. Über Funk wurde uns auch ein Liegeplatz zugewiesen und wir freuten uns, nicht den ausserhalb liegenden Olympiahafen anlaufen zu müssen. Fast 1h zockelten wir der Hafeneinfahrt entlang an all den Frachtern, Fähren und Containerdepots vorbei um dann endlich in das Hafenbecken der Yachten einzubiegen. Doch als wir sahen wo sich unser reservierter Liegeplatz befand, wussten wir nicht ob wir uns freuen oder gleich wieder umkehren sollten. Es handelte sich um den letzten Steg im Hafenbecken und beim Anlegemanöver mussten wir so eng an einem Aperofloss vorbei manövrieren, dass wir ohne Weiteres gleich die Tapas von den Tischen hätten räumen können. Dank der flotten Mithilfe eines Engländer und Norwegers konnten wir Dschinni jedoch zügig festmachen. Danach schauten wir erst mal skeptisch dem regen Treiben rund um unser Boot zu. Wir liessen uns aber nicht abschrecken und beschlossen uns dem Getümmel gleich anzuschliessen. Somit wurde die Kombüse für die nächsten Tage geschlossen denn zu gross war die Auswahl an Tapasbars und Restaurants in unmittelbarer Umgebung.

 


Doch Barcelona bietet natürlich viel mehr als nur Gastronomie. Nicht nur die Rambla sondern auch alle anderen Hauptachsen waren grosszügig mit vielen Bäumen angelegt. Biegt man jedoch von den Hauptachsen in die Altstadt ab, so findet man sich in engen Gässchen wieder. Wohin man in Barcelona auch geht, um Antonio Gaudi kommt man nicht herum. Sei es die Sagrada Familia (einzige im Bau befindliche Kathedrale der Welt), der Park Güell, der Passeig de Gracia oder an manch anderen Orten in der Stadt, immer wieder weiss der Meister zu überraschen. Ob einem die Bauwerke gefallen oder nicht ist jedem selbst überlassen aber sicherlich sind sie einen Besuch wert. Doch auch das moderne Barcelona weiss zu gefallen; ob es das Olympiazentrum am Hausberg von Barcelona dem Montjuic ist oder das Mare Magnum, die Vergnügungsinsel mitten im Hafen, aber auch die modernen Einkaufszentren, alles hat seinen Reiz und immer ist viel Platz und Grünfläche vorhanden.

Wir liessen es uns demnach auch nicht nehmen mit der Gondelbahn die grosszügige Hafenanlage von der einen Seite zur Anderen zu überqueren, was mit einer fantastischen Aussicht auf die Stadt belohnt wurde. Ganz besonders überrascht waren wir auch vom Strand. Nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt lässt es sich an der Platge Barceloneta bequem Sonnenbaden und den Windsurfern zusehen. Und alles ohne dabei die Hektik der Grosstadt zu spüren.

Unsere anfänglichen Bedenken betreffend dem lauten Liegeplatz waren bald verflogen und wir schätzten die zentrale Lage sehr. Doch so gut es uns in Barcelona auch gefallen hat unsere Reise geht (unbarmherzig) weiter Richtung Costa Brava, wieder über die Grenze nach Frankreich und zurück in den Golf von Lion. Was wir auf diesem Streckenabschnitt erleben dürfen, könnt ihr wie immer im nächsten Monatsbericht nachlesen.

Hasta luego, Patrizia und Thomas